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Liebe Oldtimerfreunde,

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Inhaltsübersicht

Originalteile nicht zwingend

 

Das erste Auto für Alle - Der VW-Käfer

 

Zurück in die Zukunft - Der Karmann-Mercedes-Flügeltürer

 

 

Originalteile nicht zwingend

Ein Oldtimer muss nicht nur aus Originalteilen bestehen, es genügt ein „weitestgehender“ Originalzustand.

Das Oberlandesgericht Koblenz hatte sich in seinem richtungweisenden Urteil vom 08.06.2011, Az: 1 U 104/11 mit einem Streit zwischen Verkäufer und Käufer eines Oldtimers, BMW 3/15, im Volksmund Dixi, zu befassen, bei dem der Käufer meinte, Ansprüche gegen den Verkäufer zu haben.

Nach dem Kauf merkte der Käufer, dass der Oldtimer nicht ausschließlich aus Originalteilen bestand, sondern auch Nachbauteile verbaut waren. Er klagte daraufhin wegen eines Sachmangels gegen den Verkäufer. Die Klage begründete er damit, dass das gegenständliche Kraftfahrzeug neben der Karosserie auch mit einem Fahrgestell des Typs BMW 3/15 ausgestattet sowie die derzeitige Nutzung im Straßenverkehr, Fortbestand der Betriebserlaubnis, gesichert sein sollte. Eine dementsprechende Sollbeschaffenheit sei aber nicht vorhanden.

Das Gericht wies die Klage ab und begründete dies im Wesentlichen mit folgenden Argumenten: Die Sachmangelfreiheit eines von privat gekauften und restaurierten Oldtimer setzt weder voraus, dass jedes einzelne Fahrzeugteil ein Originalteil ist, noch, dass der Oldtimer für die Straßenverkehrsteilnahme einer Zulassung oder Genehmigung bedarf.

Dem in dem öffentlichen Verkaufsangebot wie auch im Kaufvertrag verwendeten Begriff des Oldtimers ist keinesfalls eine „unbenutzte“ oder auch nur „ursprüngliche Originalität“ immanent. Die einschlägige Begriffsbestimmung in § 2 Nr. 22 FZV lässt insofern vielmehr einen „weitestgehend dem Originalzustand entsprechenden Zustand“ genügen.

(OLG Koblenz Az: 1 U 104/11)

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Das erste Auto für Alle - Der VW-Käfer

 

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Zurück in die Zukunft - Der Karmann-Flügeltürer-Mercedes

Im gleichnamigen Hollywoodstreifen katapultiert sich Michael J. Fox in seinem Flügeltüren-DeLorean zurück ins Jahr 1955. Die Techniker der Firma Karmann reisten hingegen noch ein wenig weiter zurück in der Zeit, um sich von der Geburt des legendären 300 SL beflügeln zu lassen. Wortwörtlich, denn sie konstruierten sich eine eigene Zeitmaschine, den R129-SL mit Flügeltüren.

Der Autor kann sich noch gut daran erinnern, an jenen Sonntag im Jahr 1989: Noch führerscheinlos ist er mit seinem Fahrrad damals eine nicht unerhebliche Strecke gefahren, um in einer Mercedes-Niederlassung die Händlerpremiere des neuen SL-Roadsters mitzuerleben. Von außen war der Showroom geheimnisvoll mit schwarzer Folie abgedunkelt, innen liefen Videos auf großen flimmernden Fernsehern und ein bisserl Trockeneisnebel war auch mit von der Partie. Show-Tech anno 1989. Zurück zuhause wurde dann umgehend die vorsichtig auf dem Gepäckträger verstaute Memorabilia, eine SL-Grafikmappe und der obligatorische Prospekt, bestaunt. Öffnete man die hochglänzende Klappmappe des Prospekts, standen sich beide direkt gegenüber: Rechts der neue und links, in gleicher Aufmachung fotografiert, der 300 SL von 1954. “Die Legende lebt“ zog Daimler damals die Parallele.

Sicher, der R129 war im Gegensatz zum achtzehn Jahre lang gebauten Vorgänger ein Vertreter einer völlig neuen Autogeneration, ein nach Perfektion strebendes Technologiemonster, das auch heute noch zu begeistern weiß und bravourös die SL-Tradition fortsetze. Doch fragte ich mich damals, im Anbetracht des zeitlosen Sacco-Designs fast frevelhaft: “Wie hätte der wohl mit Flügeltüren ausgesehen?“

Der Beantwortung dieser Frage stellte sich dann drei Jahre später tatsächlich ein kleines Entwicklerteam der Firma Karmann in Osnabrück. Wissend, dass die nach oben öffnenden Türen für Mercedes-Fans ein fast mythisches Symbol sind, nahm Karmann im Dezember 1992 den damals aktuellen 300 SL-24 als Basis für dieses Projekt.

“Mercedes war von vornherein in das Vorhaben eingebunden und hat unser Projekt wohlwollend begleitet. Die wichtigste Botschaft war, zu demonstrieren, dass auch ungewöhnliche hochkomplexe Rohbaukonstruktionen im Hause Karmann realisiert werden können“ sagt Firmensprecher Christian Eick. Einige Zeit später realisierten die Osnabrücker im Auftrag von Mercedes die Dachkonstruktion und den Prototypenbau des SLK. Der Flügeltürer als Eignungstest? Vielleicht, denn als Leistungsschau und gute Werbung in eigener Sache war er definitiv tauglich. Nur, der Zeitrahmen war äußerst eng: Der Wagen sollte bereits für den Genfer Autosalon im März 1993 fertig sein.

Wir treffen Josef Ricker von der technischen Entwicklung in einem Werksbüro. Damals war Ricker mit am Projekt beteiligt. Auf dem dunklen Holztisch vor uns liegen Prospekte, ein paar Pressefotos und ein Ordner mit Polaroids. Nicht viel Spuren für so ein umfangreiches Projekt. “Ende November, Anfang Dezember haben wir mit einer kleinen Gruppe angefangen, Zeichnungen gab’s eigentlich nicht, wir haben am Auto selbst entworfen“, so Ricker.

Da es kein spezielles Lastenheft gab, nur die Vorgaben “Fahrbereit“ und “Messetauglich“, hat die Projektgruppe fast bei Null angefangen. Ihnen standen damals auch keine R129-Originalpläne zur Verfügung. So musste die ganze Technikarchitektur des R129 am “lebenden Objekt“, einem 300 SL-24 und einer weiteren Rohkarosse studiert werden, um Lösungsansätze zu finden. “Wir haben das Auto zu ersten Mal gesehen, und ihn dann sofort demontiert“, sagt Ricker. Dachausschnitte festlegen, Winkel berechnen – Ausprobieren stand im Vordergrund. Mit einem starken Profilträger mit Wasserablauf und Aufnahmen für die Technik wurden Teile des Hardtops aufgeschweißt. So was klappt auch bei Profis nur nach mehreren Versuchen. “Da wurde schon mal ein Hardtop geopfert“, so Ricker, “und man hat über Monate fast Tag und Nacht durchgearbeitet.“

Ein neu konzipierter feststehender Überrollbügel ist im Bereich der B-Säule fest verschweißt und neu verkleidet. Der originale Klappbügel und der Verdeckmechanismus verschwanden, da hinten Platz für die Hydraulikpumpen geschaffen werden musste. Der feste Bügel sorgt zudem für zusätzliche Steifigkeit bei den Dachteilen, da hier durch die Türanschläge samt hydraulischer Anlage große Kräfte wirken. Ein elektrohydraulischer schienengeführter Schlitten fährt über Chromstangen die jeweilige Tür hoch. Eine umgebaute S124-Heckschloss-Zuzughilfe öffnet und schließt die Türen. Türzapfen, Aufnahmen und viele weitere Teile wurden eigens hergestellt. Die komplette Türverkleidung musste neu angepasst werden. Speziell aus GFK gebaute B-Säulen-, Tür-, und Dachverkleidungen wurden angefertigt und teils mit Alcantara bezogen.

“Da gab’s auch mehrere Versuche, da alles nach Augenmaß mit hohem Qualitätsbewusstsein gefertigt wurde“, erinnert sich Ricker. “Von außen ist die Türverkleidung in einem ähnlichen Look wie in der Serie, unscheinbar. Löst man die Verkleidung aber, ist alles anders“, sagt Ricker. Hier sitzt nun das große S124-Schloss, verlaufen verschiedene Seilzüge und arbeiten andere Mechanikteile.

Man kann die Türen von innen per Knopfdruck, Funk oder Notentriegelung von außen öffnen. “Hinter der Seitenflanke steckt ein VW-Corrado-Schloss, das war aber hauptsächlich für den Genfer Auftritt gedacht, um bei Komplikationen manuell öffnen zu können, war aber dann nie nötig“, so Ricker rückblickend, “auf dem Messestand konnte zusätzlich mit Infrarot und Kabel bedient werden. Für das Interieur wurden sogar spezielle Flügeltür-Piktogramm-Schalter von der Firmal Kostal angefertigt.“

Viele kleine Detaillösungen zeichnen den Karmann-Umbau aus, die aber auch für Schwierigkeiten in der Bauphase sorgten: “Den Einlaufwinkel der Türscheiben richtig hinzubekommen, war dann noch eine Herausforderung, mal ein paar Millimeter zu weit links, mal zu weit rechts“, so Ricker, “da haben wir lange herumexperimentiert.“ Denn perfekt sollte es sein. Schließlich trägt das Unikat den Stern. Nur Studien oder Umbauten, die in Zusammenarbeit und Genehmigung von Mercedes entstanden sind, dürfen das Signet nutzen. Vor Messebeginn überzeugte sich zudem eine Qualitätskommission aus dem Bremer Mercedes-Werk penibel von der Qualität, welche dann die Weltöffentlichkeit auf dem Genfer Salon 1993 bestaunen durfte.

Seit dem Schweizer Auftritt steht der SL in der Karmann-Fahrzeugsammlung und konnte einmal noch 2001 im Rahmen einer Kunstausstellung besichtigt werden. Eine Serienfertigung war nie geplant. Denn kann man eine Legende wie das W198-Coupé kopieren? Wären die im Original konstruktionsbedingten Türen mehr als ein modischer Gag gewesen? Wie steht doch so schön im R129-Prospekt: “Die noble und beherrschte Sportlichkeit des Designs ist eine klare Absage an kurzfristige Modetrends, in denen das Schein das Sein ersetzt.“ Richtig, denn der R 129 ist auf dem besten Weg zum eigenständigen Klassiker, auch ohne Flügeltüren.

(Peter Löschinger)
[Mercedes - Scene]

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